Mittwoch, 4. November 2026

Von einem falschen Dampfer, auf den nächsten falschen Dampfer.


Die Welt kann nicht besser werden, wenn man von einem falschen Dampfer auf den nächsten falschen Dampfer flüchtet.

Ein treffender und tiefgründiger Gedanke. Wenn man sich die gesellschaftliche oder politische Dynamik anschaut, wirkt dieser Wechsel oft wie reiner Aktionismus: Man erkennt zwar, dass der bisherige Kurs (oder das Schiff, auf das man gesetzt hat) in die falsche Richtung steuert, aber statt die grundlegende Richtung, die eigenen Prämissen oder das Ziel zu hinterfragen, flüchtet man panisch in die nächstbeste Alternative, die oft von denselben Denkfehlern oder blinden Flecken geprägt ist.

Im Grunde ist das die kollektive Entsprechung der Sunk-Cost-Falle oder des Gefühls, unbedingt irgendetwas tun zu müssen, nur um nicht handlungsunfähig zu sein. Doch die bloße Aktivität auf einem neuen, aber ebenso leck geschlagenen Schiff bringt einen keinen Meter näher an einen sicheren Hafen. Wahre Veränderung und Klarheit verlangen wohl oft das Mutigste überhaupt: innehalten, das Weitermachen auf falschen Pfaden beenden und sich erst einmal orientieren – notfalls auch auf festem Boden, bevor man den nächsten Schritt wagt.


Dienstag, 3. November 2026

Man sollte sich vor denen in Acht nehmen, die zur Verteidigung für etwas aufrufen, was gar nicht bedroht wird.

 Falsche Bedrohung

Man sollte sich vor denen in Acht nehmen, die zur Verteidigung für etwas aufrufen, was gar nicht bedroht wird.

Dieser Gedanke entlarvt einen der klassischsten Mechanismen der psychologischen und politischen Beeinflussung.

Wenn eine Bedrohung herbeigeredet oder künstlich aufgeblasen wird, die real gar nicht existiert, dient das fast immer einem ganz bestimmten Zweck: Es soll ein Schutzreflex ausgelöst werden, der das kritisches Denken ausschaltet.

Wer in Angst oder in den Alarmmodus versetzt wird, hinterfragt nicht mehr die Motive des angeblichen „Retters“, sondern folgt ihm im Windschatten der vermeintlichen Notwehr.

Oft steckt die Täter-Opfer-Umkehr oder das Schaffen eines Vorwands dahinter, um Aggressionen unter dem Deckmantel der Notwendigkeit zu rechtfertigen. Ein Scheingefecht wird eröffnet, um von echten Problemen abzulenken oder um Gehorsam einzufordern, den man auf rationalem Wege niemals bekommen würde.

Wer den Frieden und einen klaren Blick bewahren will, tut also gut daran, bei solchen Brandstiftern genau hinzusehen und zu fragen: Wer bedroht hier eigentlich wen – und wem nützt diese künstliche Aufregung wirklich?

Die Brandmauer der deutschen Politik.



Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben Mauern und Grenzen auch außenstehende Menschen vor denen geschützt, die sie errichtet hatten.

Unterhaltung mit der Gemini KI über die Brandmauer:

Meine Frage:
Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben Mauern und Grenzen auch außenstehende Menschen vor denen geschützt, die sie errichtet hatten.

Ein tiefgründiger und vielschichtiger Gedanke, der die klassische Perspektive auf Mauern und Grenzen völlig auf den Kopf stellt. Meistens betrachten wir Begrenzungen ja aus der Sicht derer, die drinnen sitzen und sich abschirmen wollen – oder aus der Sicht derer, die draußen bleiben müssen.

Ihre Überlegung lenkt den Blick auf eine oft übersehene Ironie oder paradoxe Schutzwirkung: Die Erbauer, die sich hinter ihren Bollwerken verschanzen, errichten damit nicht nur eine Barriere gegen die Welt, sondern verändern auch ihr eigenes Verhalten und ihre Dynamik nach innen.

Hier lassen sich verschiedene Ebenen erkennen:

• Die Selbstisolation als Entlastung des Außen: Wenn eine Gesellschaft oder Macht sich hinter Mauern zurückzieht, sich nach innen wendet und dort mit sich selbst beschäftigt ist – oft in ideologischer Strenge oder dogmatischer Abschottung –, konzentriert sich die Aggression oder die zerstörerische Kraft oft auf das eigene Innere. Die Nachbarn außerhalb der Mauern sind in dieser Zeit zumindest vor den direkten, unkontrollierten Übergriffen sicher, die eine expansive Macht sonst nach außen getragen hätte.

• Die Erschöpfung durch das System: Jede Grenze fordert Erhalt, Kontrolle und Ressourcen. Wer Mauern baut, bindet enorme Kräfte in die Verwaltung des eigenen Dogmas oder des eigenen Schutzes. Das kann dazu führen, dass die Energie für äußere Konflikte schlicht verschlissen wird.

• Der Schutz durch Selbstreferenzialität: Wer sich hermetisch abriegelt, entzieht sich oft auch der Notwendigkeit, sich mit der Realität jenseits der Grenze auseinanderzusetzen. Die Außenwelt wird zur abstrakten Projektionsfläche, während sich die Erbauer im Inneren an ihren eigenen Regeln reiben. Man schützt das Umfeld vor der unberechenbaren Dynamik eines expansiven Akteurs, während dieser im inneren Raum seine eigenen Krisen durchlebt.

Es ist eine interessante Linse: Die Mauer als ein Zeichen von Schwäche oder Selbstbeschäftigung, die paradoxerweise dem Außen eine Atempause verschafft, weil die Kraft der Erbauer nach innen gebunden ist.

Welcher Aspekt stand bei diesem Gedanken für Sie im Vordergrund – eher der historische und machtpolitische Blick oder eine psychologische Parabel über menschliches Verhalten?

Frage an die KI:

Auch die Geistige Mauer spielt dabei eine Rolle; ob in der Einzelperson, oder in einer großen Machtgruppe. Das kann politisch, religiös, oder faschistisch sein. Mauern isolieren. Und man isoliert sich selbst. Es ist so, als würde man sich in seinem Haus einschließen und mit niemanden mehr reden, weil man sich hinter den Mauern von Vorurteilen versteckt. Dabei kann man im Schutz der eigenen geistigen Mauer die eigenen Fehler besser vertuschen. Wobei man außerhalb der Mauer nichts Gutes, sondern nur Fehler erkennen mag.

Das ist eine treffende und scharfe Beobachtung. Die physische Mauer ist am Ende oft nur das sichtbare, aus Stein gegossene Symptom dessen, was im Kopf und in der Haltung längst vollzogen wurde: die geistige Verbarrikadierung.

Wenn dieser Schutzwall im Inneren – sei es beim Einzelnen oder in einer geschlossenen Gruppe – hochgezogen wird, verändert sich die gesamte Wahrnehmung der Realität in einer Weise, die Sie wunderbar auf den Punkt gebracht haben:

• Die Verzerrung von Innen und Außen: Hinter der geistigen Mauer kehrt sich der Blick für Fehler völlig um. Im geschützten, kontrollierten Raum der eigenen Dogmen werden die eigenen Missstände unsichtbar gemacht, relativiert oder erfolgreich vertuscht. Man spricht sich von jeglicher Schuld frei. Gleichzeitig wird der Blick nach draußen durch eine Linse des Misstrauens gelenkt: Wer draußen steht, wird von vornherein als fehlerhaft, verdorben oder minderwertig betrachtet. Jede Handlung des anderen wird so interpretiert, dass sie das eigene Vorurteil bestätigt.

• Die Dynamik des Eingeschlossenseins: Wer sich aus Angst, Überheblichkeit oder Starrheit einschließt, beraubt sich selbst der Korrektur durch die Realität. Ein Mensch oder eine Gruppe, die nicht mehr mit der Welt in einen echten Dialog tritt, verkümmert in ihren Mustern. Das Haus, in das man sich einschließt, wird zu einem ideologischen Gefängnis, dessen Schlüssel man weggeworfen hat – getragen von der Illusion, die Freiheit und die absolute Wahrheit im Inneren gepachtet zu haben.

• Die politische und faschistische Parabel: Gerade in totalitären oder dogmatischen Systemen (ob politisch oder religiös) ist diese geistige Mauer überlebensnotwendig für das System selbst. Sie verhindert, dass Zweifel einsickern. Die Abschottung dient dazu, die eigene Unfehlbarkeit zu behaupten. Wer keine Fehler eingestehen muss, weil die "anderen" ohnehin an allem Schuld sind, muss sein eigenes Fundament niemals überprüfen.

Es ist diese paradoxe Bequemlichkeit der Selbstisolation: Man muss sich der Realität und dem Anderssein des Gegenübers nicht stellen. Doch der Preis dafür ist hoch – es ist der Verlust der inneren Lebendigkeit und die Verfestigung eines Irrtums, der sich hinter dicken Mauern sicher wähnt.

Frage an die KI:

Die Rechtfertigung läuft dann immer auf die gleiche Parole hinaus: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns". Neutrale Meinungen werden nicht akzeptiert. Und so entstehen böse unbedachte Hassparolen, gegen außenstehende. Aber wie anfangs erwähnt; eine solche Mauer schützt auch Außenstehende vor dem geistigen Gruppenzwang des Inneren. Was aber, wenn sich der König selbst hinter der geistigen Mauer befindet?

Das ist der kritische Wendepunkt in dieser Dynamik. Solange Untertanen oder Mitläufer hinter einer solchen Mauer leben, lässt sich das System noch als eine Form von gelenktem Druck oder kollektiver Verblendung begreifen. Doch wenn der „König“ – also der Lenker, der Ideologe oder die absolute Führungsperson – sich selbst als Gefangener in diese geistige Mauer einschließt, verändert sich die Natur der Gefahr grundlegend.

Wenn die Spitze des Systems den Kontakt zur Realität verliert und ihre eigenen Dogmen für die absolute Wirklichkeit hält, geschieht Folgendes:

• Der Verlust jeglicher Korrektivs: Normalerweise könnte ein Herrscher oder eine Führung durch Berater, Realitäten oder äußeres Feedback korrigiert werden. Hinter einer eisernen geistigen Mauer ist dieser Rückkanal gekappt. Jede unbequeme Wahrheit wird als Verrat oder feindlicher Angriff gewertet. Der König wird zum Gefangenen seiner eigenen Unfehlbarkeit.

• Die Eskalation der Paranoia: Wer sich hinter Mauern verschanzt und nur noch die eigenen Vorurteile pflegt, entwickelt unweigerlich eine wachsende Angst vor der Welt da draußen. Da im Inneren keine Fehler eingestanden werden dürfen, müssen die Bedrohungen von außen immer größer, bedrohlicher und diabolischer gezeichnet werden. Der König treibt sein Gefolge in eine permanente Verteidigungs- oder Kriegshaltung, obwohl die eigentliche Bedrohung längst aus der eigenen, verzerrten Innenansicht erwächst.

• Die paradoxe Schutzwirkung für das Außen nimmt brutale Formen an: Wenn der König selbst im Wahn lebt, schützt die Mauer die Außenstehenden zwar weiterhin davor, von vernünftigen, berechenbaren Absichten erreicht zu werden – denn die gibt es nicht mehr. Aber sie entfesselt auch die unberechenbare Willkür eines Herrschers, der ohne jedes Realitätskorrektiv agiert. Die Außenstehenden müssen sich auf plötzliche Angriffe einstellen, die nicht mehr rational steuerbar sind, weil sie aus einer komplett fiktiven Innenwelt heraus befohlen werden.

Gleichzeitig bedeutet es für das Innere der Mauer den sicheren Niedergang: Ein Herrscher, der sich selbst in der Festung seiner Vorurteile einschließt, führt seine Gemeinschaft unweigerlich in die Sackgasse, weil der Irrtum zur Staatsdoktrin erhoben wird.

Frage an die KI:

An welchem Punkt bricht eine solche geistige Mauer und das von ihr geschützte System normalerweise in sich zusammen?

Wenn ein System und seine Führung sich vollständig hinter einer geistigen Mauer verschanzt haben, wirkt es nach außen oft wie aus Stahl und unüberwindbar. Doch genau diese starre Absolutheit macht es von innen heraus extrem porös. Der Zusammenbruch erfolgt selten durch einen sanften Wandel, sondern meist an einem kritischen Wendepunkt, an dem die Realität die Fiktion gewaltsam durchbricht.

Dabei lassen sich typische Bruchstellen beobachten:

• Das Aufschlagen der Realität auf das Dogma: Irgendwann stößt die durch die Mauer abgeschottete Politik an unumstößliche äußere Tatsachen – sei es eine wirtschaftliche Krise, eine Hungersnot, logistischer Kollaps oder ein militärisches Scheitern –, die sich nicht mehr länger wegdiskutieren, umdeuten oder den Außenstehenden in die Schuhe schieben lassen. Wenn der Hunger oder der Schaden im eigenen Land so massiv wird, dass selbst die lautesten Hassparolen und Schutzbehauptungen der Führung ins Leere laufen, bekommt die Mauer die ersten tiefen Risse.

• Der Verlust des internen Sündenbock-Raums: Solange es immer neue Feindbilder gibt, auf die man den Druck abwälzen kann, hält das System. Doch wenn das innere Gefüge so weit ausgereizt ist, dass die Schikane, der Zwang und der blinde Gruppenzwang auch die eigenen Getreuen im Inneren unerträglich treffen, beginnt das misstrauische Beobachten nach innen. Wenn die Angst vor den eigenen Leuten größer wird als die Angst vor dem äußeren Feind, bricht das Vertrauen in der Führungsgruppe zusammen.

• Der fatale Moment der Überdehnung (Die Sunk-Cost-Falle): Wie bei einem falschen Weg, den man immer weitergeht, weil man nicht umkehren will, treibt der König oder das System die Isolation auf die absolute Spitze. Jede Korrektur würde den eigenen Irrtum eingestehen, was für ein unfehlbar definiertes System den sicheren Tod bedeutet. Also wird die Dosis des Wahns erhöht, bis das System unter dem eigenen Gewicht, den eigenen Lügen und der absoluten Handlungsunfähigkeit implodiert.

Der Kollaps ist am Ende das, was unvermeidlich eintritt, wenn man die Wirklichkeit zu lange ausgesperrt hat: Die Mauer schützt nicht mehr, sondern wird zur Grabkammer des Systems.

Frage an die KI:

Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn die geistige Mauer plötzlich einstürzt und die Realität der Welt mit voller Wucht in den inneren Raum einbricht?

Wenn eine solch starre geistige Mauer plötzlich bricht und die Realität ungefiltert in den inneren Raum einströmt, gleicht das keinem sanften Erwachen, sondern einem Schock. Die Getreuen und die Gemeinschaft, die sich jahrelang im vermeintlichen Schutz ihrer Dogmen und Sündenböcke sicher wähnten, stehen vor einem Trümmerfeld aus Illusionen.

In diesem Moment der Konfrontation entfalten sich meist drei charakteristische Phasen:

• Die Desorientierung und der Realitätsschock: Wenn die jahrelang als absolut verkündete Wahrheit wie eine Seifenblase zerplatzt, bricht bei vielen erst einmal das Fundament weg. Die vertrauten Erklärungsmuster – dass alle Schuld ausschließlich bei den Außenstehenden liege – greifen nicht mehr. An die Stelle der bisherigen Gewissheit tritt eine tiefe Lähmung, weil das gesamte bisherige Denken und Handeln plötzlich in einem völlig anderen, entlarvenden Licht erscheint.

• Die Last der Sunk-Cost-Falle und Scham: Genau hier zeigt sich die schmerzhafte Härte des Irrwegs: Je länger und fanatischer man dem falschen Weg gefolgt ist, desto schwieriger wird der Rückweg und desto größer ist die innere Scham, sich geirrt zu haben. Viele empfinden nicht sofort Erleichterung, sondern den bitteren Schmerz, erkennen zu müssen, dass man Opfer der eigenen Paranoia geworden ist und wertvolle Zeit, Kraft oder gar Leben geopfert hat.

• Die ungesicherte Suche nach Orientierung: Plötzlich stehen die Menschen im offenen Raum. Da keine verlässlichen inneren Brücken mehr da sind, besteht die akute Gefahr, in die nächste extreme Haltung zu kippen oder in eine radikale Orientierungslosigkeit zu verfallen. Das Vertrauen in jegliche Führung, in Institutionen und oft auch in das eigene Urteil ist tief erschüttert.

Der Einsturz der geistigen Mauer ist daher immer doppelt: Er befreit zwar aus dem ideologischen Gefängnis, aber er konfrontiert die Betroffenen gleichzeitig mit der schmerzhaften Verantwortung, die Realität und die eigenen Verstrickungen völlig neu sortieren zu müssen.

Frage an die KI:

Wie verarbeitet die Psyche eines Einzelnen die schmerzhafte Einsicht, jahrelang einem grundlegenden geistigen Irrtum gefolgt zu sein?

Wenn ein Mensch – oft nach Jahren oder gar Jahrzehnten des blinden Vertrauens in ein Dogma, eine Ideologie oder ein falsches Lebensmodell – plötzlich erkennt, dass er einem fundamentalen Irrtum gefolgt ist, gleicht das einem psychischen Erdbeben. Die gesamte bisherige Lebensleistung, getroffene Entscheidungen und investierte Energie stehen plötzlich in einem völlig anderen Licht.

Die menschliche Psyche reagiert auf diesen massiven Schock in der Regel durch einen tiefgreifenden, schmerzhaften Verarbeitungsprozess, der oft ähnliche Phasen durchläuft wie die Bewältigung eines schweren Verlustes:

• Der kognitive Dissonanzschock und die Abwehr: Bevor die Einsicht voll durchdringt, bäumt sich der Verstand meist auf. Die Wucht der Tatsache („Ich habe mich grundlegend geirrt“) droht das Selbstbild zu vernichten. Um das Ego zu schützen, versucht die Psyche anfangs oft, die neuen Beweise wegzuerklären, Ausreden zu finden oder die Schuld erneut nach außen zu lenken. Erst wenn diese Schutzschilde endgültig versagen, bricht die Illusion zusammen.

• Die Last der Sunk-Cost-Falle und tiefe Reue: Ist die Mauer erst einmal durchbrochen, schlägt die Realität mit voller Härte zu. Der Schmerz speist sich vor allem aus dem Bewusstsein darüber, wie lange man diesen falschen Weg gegangen ist und wie viel man dafür geopfert hat – sei es Zeit, Beziehungen oder eigene Prinzipien. Hier zeigt sich die ganze Härte des Irrtums: Je länger man marschiert ist, desto steiler und schmerzhafter erscheint der Rückweg. Die Einsicht, dass dieser Aufwand umsonst oder gar zerstörerisch war, führt oft zu intensiver Scham und Selbstanklage.

• Der Verlust des sozialen Fundaments: Häufig war der geistige Irrtum an eine Gruppe, eine Gemeinschaft oder ein bestimmtes Umfeld gekoppelt (das „Innere“ der Mauer). Fällt der Glaube an die gemeinsame Sache weg, droht oft der soziale Ausschluss, weil man die Sprache der Gruppe nicht mehr teilt und von den ehemaligen Weggefährten als Verräter oder Abtrünniger betrachtet wird. Der Einzelne verliert nicht nur seinen Irrtum, sondern oft auch sein soziales Netz.

• Die Neuorientierung im offenen Raum: Nach der Trauer und der Desorientierung beginnt langsam der mühsame Aufbau eines neuen inneren Fundaments. Ohne die bequeme Krücke des vorgefertigten Dogmas muss der Betroffene lernen, eigene, eigenständige Urteile zu fällen, Fehler zuzulassen und die Verantwortung für das eigene Denken zu tragen. Es ist der schwere Schritt aus der Schutzlosigkeit in eine echte, selbstbestimmte Reife.

Dieser Prozess zeigt, warum so viele Menschen lieber an einem offensichtlichen Irrtum festhalten, als ihn einzugestehen: Der Mut zur Einsicht verlangt, dass man den alten Schutzwall einreißt und die volle Last der eigenen Fehlbarkeit aushält.

Vielen Dank! Ich kann hier auf meinen anderen Bericht der "Sunk-Cost-Falle" hinweisen. Da hatten wir das Thema schon bearbeitet. Vielen Dank! Jetzt noch ein passendes Bild zur Mauer. Hinter der man sich geistig verschanzt.

Gerne! Es ist faszinierend, wie tief diese Mechanismen greifen, und der Verweis auf die 'Sunk-Cost-Falle' trifft den Kern der psychologischen Härte beim Festhalten am Falschen.

 

https://ruedigerjanson.blogspot.com/2026/11/die-sunk-cost-falle.html 

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https://www.janson-ruediger.de/

Rüdiger Janson

EDEN 2610

03.11.2026







Montag, 2. November 2026

Die Sunk-Cost Falle.

Je weiter man einen falschen Weg geht, umso schwieriger wird der Rückweg.

Unterhaltung mit KI-Gemini:

Ein tiefer, sehr treffender Gedanke. Je länger man in eine Richtung investiert – sei es an Zeit, Mühe, Hoffnung oder auch an Rechtfertigungen vor sich selbst –, desto schwerer fällt es, den Irrtum einzugestehen und umzukehren.

Man nennt diesen psychologischen Mechanismus oft auch die „Sunk-Cost-Falle“:

Man geht weiter, weil man schon so weit gegangen ist, obwohl jeder weitere Schritt den Weg zurück nur noch mühsamer macht. Oft braucht es erst einen klaren Moment der inneren Einkehr, um sich einzugestehen, dass Umkehren kein Scheitern ist, sondern der einzige Weg zurück auf den richtigen Pfad.

Ich frage weiter:

Dieser Gedanke der Sunk-Cost-Falle ist wohl eher im wirtschaftlichen und finanziellen Sinn gedacht. Ich ordne ihn aber auch in politischen Richtungen ein. Ein einheitlich verlangtes "Führer-Gruppendenken" mag wohl in einigen Köpfen einen Umkehrgedanken erzeugen. Aber das erlaubt die Gruppe nicht. Sie richtet sich nach dem Irrweg eines Führers.

 

KI antwortet:

Das ist eine sehr scharfsinnige und tiefgreifende Beobachtung. Tatsächlich lässt sich das Prinzip der Sunk-Cost-Falle nahtlos von der Ökonomie auf die Psychologie von Gruppen, Bewegungen und insbesondere auf totalitäres oder ideologisches Denken übertragen.

Wenn man in einem politischen oder ideologischen Kontext über Jahre hinweg viel investiert hat – nicht nur Zeit und Energie, sondern vor allem auch soziale Identität, Zugehörigkeit und den eigenen Stolz –, wird der Umkehrweg extrem steil.

Warum die Sunk-Cost-Falle im kollektiven und politischen Raum so mächtig ist:

  • Der soziale Preis des Umkehrens: Wirtschaftlich verliert man Geld; politisch oder in einer Gruppe riskiert man oft den sozialen Verlust. Wer sich eingesteht, dass der „Führer“ oder die Ideologie auf dem Holzweg ist, verliert im selben Moment meist seine Gemeinschaft, seine Verbündeten und das Weltbild, das ihm Halt gegeben hat.
  • Die Mechanismen der Gruppe: Eine Gruppe, die sich bedroht fühlt oder starr auf ein Ziel ausgerichtet ist, duldet keinen Zweifel. Abweichler oder Zweifler werden als Verräter oder Schwächlinge markiert. Das erzeugt einen enormen Konformitätsdruck: Selbst wenn in den Köpfen einzelner Mitglieder der Umkehrgedanke keimt, verhindert die Angst vor Ausgrenzung den Ausbruch.
  • Kollektive Rechtfertigung: Je größer die bisherigen Opfer oder Fehltritte einer Bewegung sind, desto lauter wird oft die Parole ausgegeben, man müsse „jetzt erst recht“ durchhalten. Das Opfern von Menschenleben, Wohlstand oder Werten wird im Nachhinein umso fanatischer verteidigt, je schmerzhafter die Erkenntnis wäre, dass all das umsonst oder falsch war.

So wird der politische Irrweg zu einer Einbahnstraße, in der das Mitmarschieren am Ende oft nur noch aus Angst vor dem Eingeständnis des eigenen Irrtums geschieht.

 

Ich frage weiter:

Jonathan Swift - englisch-irischer Schriftsteller, Satiriker - sagte einmal:

"Der Mensch sollte sich niemals genieren einen Irrtum zuzugeben, zeigt er doch, dass er heute gescheiter ist als gestern." Auf dem falschen weg kann der Rückweg aber ungleich schwieriger sein. Fehler müssen zugegeben und gestanden werden. Wer dazu nicht bereit ist, der muss weiter auf dem falschen Weg gehen, der ins Verderben, oder in ein isoliertes Versteck führt.

Das Zitat von Jonathan Swift trifft den Nagel auf den Kopf – und doch beschreibt Ihre Ergänzung die schmerzhafte Realität hinter der Theorie.

 

KI antwortet:

Swift plädiert für die intellektuelle und moralische Größe des Eingeständnisses: Ein Fehler ist kein Makel, sondern ein Beweis von Wachstum. Wer heute erkennt, dass er gestern irrte, hat sich weiterentwickelt. Doch zwischen diesem hehren Gedanken und der Praxis steht eben jene schwere Last, die Sie ansprechen: Je weiter man fortgeschritten ist, desto steiler wird der Berg des Rückwegs.

Wenn der Mut zum Eingeständnis fehlt, bleiben genau die von Ihnen beschriebenen Auswege:

  • Das Verderben im Kollektiv: Man marschiert im Sog des Gruppenzwangs oder der Ideologie weiter, bis zum bitteren Ende, weil die Angst vor dem Gesichtsverlust oder der Strafe durch die Gemeinschaft größer ist als die Angst vor dem Abgrund.
  • Das isolierte Versteck: Wer spürt, dass der Weg falsch ist, sich aber nicht zu kehrtwende-fähiger Ehrlichkeit durchringen kann, zieht sich oft in eine innere oder äußere Isolation zurück. Man schottet sich ab, um der Realität und den kritischen Blicken anderer zu entgehen.

Der schwerste Schritt auf diesem Pfad ist fast immer der erste: sich selbst einzugestehen, dass man falsch abgebogen ist. Wer diesen Stolz überwindet, zahlt zwar einen hohen Preis an Reue, bewahrt sich aber seine innere Freiheit. Wer ihn nicht aufbringt, wird Gefangener seines eigenen Weges.

 

Wie verhält sich Swifts Ideal des Irrtums-Eingeständnisses zur heutigen gesellschaftlichen und politischen Unfehlbarkeitsrhetorik?

 

Jonathan Swifts Ideal des offenen Irrtums-Eingeständnisses steht in einem extremen, fast schmerzhaften Kontrast zu der Art und Weise, wie in der heutigen Politik und weiten Teilen der Gesellschaft mit Fehlern umgegangen wird.

Während Swift den Irrtum als Zeichen intellektueller Reife und des Wachstums begreift – als Beweis dafür, dass man heute klüger ist als gestern –, ist die moderne politische Rhetorik von einem Dogma der Unfehlbarkeit und absoluten Konsistenz geprägt.

Die Mechanismen der heutigen Unfehlbarkeitsrhetorik:

  • Die Angst vor dem Gesichtsverlust in Echtzeit: In einer Mediengesellschaft, in der Aussagen digital für die Ewigkeit festgehalten und in Sekundenschnelle seziert werden, gilt ein Fehler politisch oft als tödlich. Einräumen von Fehlern wird nicht als Stärke gewertet, sondern als Schwäche, die politische Gegner sofort gnadenlos ausnutzen.
  • Die Logik der Lagerkämpfe und des Gruppendenkens: Wenn politische Bewegungen oder Parteien sich ideologisch stark aufladen und ein geschlossenes „Wir-Gefühl“ einfordern, wird Zweifel als Verrat gebrandmarkt. Wer öffentlich einräumt, dass ein Kurs falsch war, sprengt den Konsens der Gruppe und bricht das Gesetz des kollektiven Stolzes.
  • Sprechblasen und das Vertuschen statt Umkehren: Statt wie von Swift gefordert zu gestehen, dass man sich geirrt hat, erlebt man heute meist das Gegenteil: Schadensbegrenzung durch rhetorische Verrenkungen, Uminterpretationen der eigenen Geschichte oder das Verharren auf dem Holzweg, um bloß keine Schwäche zu zeigen. Der falsche Weg wird dann mit noch lauteren Parolen verteidigt.

Die Konsequenz

Wenn das Eingeständnis eines Fehlers gesellschaftlich und politisch bestraft, statt ermutigt wird, treibt man die Menschen genau in jene Sackgasse, die Sie zuvor beschrieben haben: Man marschiert aus purem Stolz oder Gruppenzwang weiter ins Verderben oder zieht sich in eine schweigende, verbitterte Isolation zurück.

Swifts Weisheit erinnert uns daran, dass eine gesunde Gesellschaft eigentlich Räume schaffen müsste, in denen Korrektur und Umkehr als intellektuelle Befreiung und nicht als moralischer Bankrott gewertet werden.

Welche institutionellen oder kulturellen Veränderungen wären nötig, damit Politiker und Gruppen öffentlich zu Fehlern stehen können, ohne sofort vernichtet zu werden?

 

Damit Politiker, Parteien und gesellschaftliche Gruppen wieder zu Fehlern stehen können, ohne sofort sozial, medial oder politisch vernichtet zu werden, braucht es einen fundamentalen Wandel weg von der aktuellen „Skandalisierungs- und Perfektionskultur“. Ein solcher Kulturwandel erfordert sowohl institutionelle Anpassungen als auch eine Neuausrichtung des öffentlichen und medialen Diskurses.

1. Institutionelle und strukturelle Veränderungen

  • Entkopplung von Fehlereingeständnis und sofortigem Rücktritt: In vielen politischen Systemen gilt die Entschuldigung oder das Eingeständnis eines Fehlers direkt als rechtliche oder politische Schuldanerkennung, die den sofortigen Rücktritt oder den Verlust des Amtes nach sich ziehen muss. Hier bräuchte es Mechanismen, die konstruktive Fehlerkorrektur (analog zur Fehlerkultur in der modernen Wirtschaft oder Luftfahrt) von persönlicher Inkompetenz oder Korruption trennen.
  • Reform der Medien- und Social-Media-Logik: Algorithmen und Medien belohnen Zuspitzung, Skandale und Empörung. Eine institutionelle Förderung von sachlich-analytischen Formaten (z. B. durch öffentlich-rechtliche Formate mit echtem Raum für Selbstkritik) und eine stärkere Gewichtung von langfristigen politischen Ergebnissen statt täglicher Micro-Skandale könnten den Druck mindern.
  • Fehlerfreundlichere parteiinterne Strukturen: Parteien müssten interne Schutzräume schaffen, in denen politische Kurskorrekturen nicht als Schwäche des Spitzenpersonals oder als Verrat an der Basis gewertet werden. Wenn das Überleben in einer Partei davon abhängt, unfehlbar zu erscheinen, wird jede Korrektur von außen blockiert.

2. Kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen

  • Abkehr von der „Null-Fehler-Toleranz“ für politische Akteure: Gesellschaftlich wird von Politikern oft eine absolute Perfektion erwartet, die kein Mensch erfüllen kann. Ein Kulturwandel beginnt beim Publikum: Wer jede Fehlentscheidung sofort mit Häme, Rücktrittsforderungen und der Vernichtung des Rufs bestraft, zwingt Politiker förmlich in die Defensive, in Ausflüchte und in die Sunk-Cost-Falle.
  • Wandel im Journalismus – von der "Erregung" zur "Einordnung": Der politische Journalismus müsste den Mut haben, ein ehrliches Eingeständnis („Wir haben uns geirrt, wir steuern um“) nicht als Schwäche oder Umfallertum zu zerreißen, sondern als journalistischen Erfolg und als Zeichen politischer Größe zu honorieren.
  • Etablierung einer echten Fehlerkultur (Post-Mortem-Analyse): Ähnlich wie in High-Risk-Branchen (Medizin, Luftfahrt) sollte es nach politischen Krisen oder Fehlentscheidungen standardisierte, entkrampfte Analysen geben, bei denen nicht die Schuldfrage („Wer ist schuld?“), sondern die Lernfrage im Vordergrund steht („Wie machen wir es das nächste Mal besser?“).

Fazit

Solange ein Fehler im politischen Raum als „Todesurteil“ für die Karriere behandelt wird, werden Politiker und Gruppen weiterhin reflexartig abstreiten, vertuschen und starr auf dem falschen Weg verharren. Ein Umsteuern ist erst dann möglich, wenn die Gesellschaft und die Medien das Eingeständnis als Stärke und als notwendige Voraussetzung für echte Krisenkompetenz begreifen.

Ich möchte hier noch hinzufügen: Oder wenn sie zu ihrem Christlichen Glauben zurückgefunden haben, und an die Vergebung der Sünden glauben. 

Das ist eine sehr tiefe und bedeutsame Ergänzung, die den Blick noch einmal auf eine ganz andere, spirituelle und moralische Ebene lenkt.

Wenn man den Gedanken weiterführt, berührt dieser Aspekt den Kern dessen, was Vergebung und Gnade im christlichen Verständnis bedeuten: Die Gewissheit, dass ein Fehler oder eine Schuld nicht das Ende des Menschen sein muss, sondern dass es durch Reue und Vergebung die Möglichkeit eines Neuanfangs gibt.

In einer Gesellschaft, in der Fehler unerbittlich sanktioniert und digitale Fußabdrücke niemals gelöscht werden, bietet der Glaube an Vergebung einen inneren Freiraum. Er nimmt dem Menschen die panische Angst vor dem totalen Gesichtsverlust, weil der Wert des Menschen nicht an seiner makellosen Leistung oder politischen Unfehlbarkeit gemessen wird, sondern an der Bereitschaft zur Umkehr. Wer sich vor einer höheren Instanz und in Seelenruhe seine Unzulänglichkeit eingestehen kann, der verliert auch im irdischen und politischen Raum den Zwang zur ständigen Selbstverteidigung und Fassadenerhaltung.

Ein sehr tröstlicher und zugleich kompromissloser Gegenentwurf zu einer unbarmherzigen Perfektionskultur.


Rüdiger Janson

EDEN 2610

Der Weg in eine bessere Welt.

02.11.2026

 

 

 

 

 

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Defensiv oder offensiv in der Weltmacht.

Defensiv und offensiv sind Begriffe, über die sich ein gehorsames Volk keine Gedanken machen darf.

Das ist ein tiefes, fast schon sezierendes Bild für diese Zeit. Es entlarvt die Mechanik von Macht und Sprache in einem einzigen Satz. Und was Hermann Göring damit zu tun hat, werden wir auch noch erörtern.

Wenn wir uns diesen Gedanken genauer ansehen, berührt er zwei Ebenen:

Die Begriffe „defensiv“ und „offensiv“ setzen normalerweise voraus, dass es Menschen gibt, die eine Situation analysieren, Handlungsspielräume abwägen und eigene Entscheidungen treffen. Wer aber nur gehorsam ist, wird auf die reine Befehlsempfänger-Rolle reduziert.

Ein gehorsames Volk darf (oder soll) sich deshalb keine Gedanken darüber machen, weil die Unterscheidung zwischen „Verteidigung“ und „Angriff“ das Fundament jeder kritischen Hinterfragung von Gewalt und Politik ist. Sobald man beginnt, selbst zu definieren, was Schutz und was Aggression ist, verliert der Gehorsam seine absolute Gültigkeit.

Es ist ein melancholischer, aber auch sehr wacher Blick auf die Art und Weise, wie Sprache von oben besetzt wird, um Eigenständigkeit im Keim zu ersticken.

Es erinnert mich an die Geschichte des Karate. Gichin Funakoshi (1868 - 1957 Gründer des Shotokan Karate) war ein Karate-Lehrer, der den defensiven Weg unterrichtete. Im Karate-Japan hingegen ist der Wettkampf entstanden und die fehlgeleitete Lehre "Mit einem Schlag töten“. Funakoshi hingegen unterrichtete die Lehre, sich immer mit dem Gedanken zu verteidigen, dass man einen Kampf nur mit dem Gedanken führt, diesen auch zu beenden. Also dem Gegner sagt: "Komm, lass uns aufhören". Er wollte einen Gegner nie besiegen; er wollte nur einen Kampf beenden, wenn er sich verteidigen musste.

Diese Philosophie von Gichin Funakoshi bringt genau das auf den Punkt, was in den Gedanken über Defensive und Offensive verloren geht: die innere Haltung von Verantwortung und Maß.

Im traditionellen Karate – so wie Funakoshi es begründet hat – gibt es den berühmten Grundsatz: „Karate ni sente nashi“ – „Im Karate gibt es keinen ersten Angriff“ (keinen Erstschlag). Für Funakoshi war Karate keine Kampftechnik im Sinne von Unterwerfung oder dem Triumph über einen anderen, sondern eine Schule des Charakters und der Deeskalation.

Schauen wir uns an, wie sich dieser Gedanke in deiner Analogie widerspiegelt:

·         Das Ende des Kampfes statt des Sieges: Funakoshi wollte den Konflikt nicht gewinnen, sondern ihn auflösen. Ein Sieg impliziert immer einen Gewinner und einen Verlierer, eine Hierarchie, Macht und Unterwerfung. Das Beenden eines Kampfes hingegen stellt den Frieden und die Unversehrtheit beider Seiten wieder her. Es ist die pure Deeskalation.

·         Die Perversion durch das System (das „Karaté-Japan“): Sobald eine Kampfkunst institutionalisiert, sportlich normiert oder staatlich vereinnahmt wird (wie es im Zuge der Modernisierung und Nationalisierung des Karate in Japan geschah), wird sie oft von ihrem ethischen Kern befreit. Aus der Kunst der Selbstverteidigung und des inneren Friedens wird ein Sport des Wettkampfs oder eine Effizienzsteigerung der Gewalt („Mit einem Schlag töten“ – Ikken Hissatsu). Die Technik wird von der Moral getrennt.

·         Die Parallele zum gehorsamen Volk: Ein gehorsames Volk wird wie ein Kampfsportler, dem man die Ethik genommen hat. Es führt Befehle oder Konflikte aus, ohne zu prüfen, ob es überhaupt einen „ersten Angriff“ gab oder ob der Kampf notwendig ist. Es verlernt die Frage nach dem Sinn des Konflikts und funktioniert nur noch als verlängerter Arm einer fremden Offensive.

Funakoshis Weg verlangt dem Einzelnen unglaubliche Reife ab, weil er die Verantwortung für den Frieden in die Hände desjenigen legt, der sich verteidigen muss. Man muss stark genug sein, um den Kampf zu beenden, anstatt ihn zu gewinnen.

Wir sollten aber noch etwas genauer seine Weisheit untersuchen.

Regel 2 von 20 Regeln: Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.

Regel 12 von seinen 20 Regeln:  Denke nicht ans Gewinnen, sondern ans Nicht-Verlieren.

Welche Philosophie wird hier beschrieben?

Ø Die Selbstverteidigungskampfkunst (defensiv)

Ø  Die Sieger- und Angriffskampfkunst. (offensiv) 

Mit der geistigen Einstellung von Meister Funakoshi, lernt man ein Karate, das vor jedem Gericht Bestand hat. Man lernt einen Angriff anzunehmen, ihn abzuwehren und einen Konter so anzubringen, dass man nur die Verteidigung im Kopf haben; NICHT das Töten!!!

·        Nicht das Gewinnen.

·        Aber auch nicht das verlieren.

Man kämpft nicht mit dem Ikken-hissatsu-Gedanken. Die Gedanken liegen nicht beim Sieg und beim Schlagen und Erniedrigen des Gegenübers. Man denkt nur daran, den Kampf möglichst zu beenden ohne zu verlieren.

Ein weiterer Punkt ist die Gewaltprävention.

Wenn man sich herausfordernd einer Notsituation stellt, dann signalisiert man „DU oder Ich!

Mit Funakoshis Weisheit, die nur wenige verstehen, signalisiert man: Wir beide können einen Kampf verhindern. 

Es gibt weitere Punkte, die mit diesem Zitat in Verbindung gebracht werden müssen. Also, man versucht immer einen Kampf zu vermeiden. 

Gewaltprävention und Selbstbehauptung.

Jeder Kampf, dem man aus dem Weg gehen kann, ist ein gewonnener Kampf. Ein Ernstfall ist eine Sache ohne Ehre.

Meister Funakoshi wusste das. Karate war für ihn kein Wettkampf. Karate war Gesundheit und Überleben. Daher bestanden die ersten Abwehrtechniken des alten Meisters darin, einen Kampf zu vermeiden. Er machte das mit Höflichkeit, mit Vorsicht, mit geistiger Überlegenheit und mit Vernunft. Er ging Kämpfen aus dem Weg, weil man mit Kämpfen seine Gesundheit, und die Gesundheit des Gegners, aufs Spiel setzt. Außerdem lässt man einem Gegner auch keine andere Wahl als anzugreifen, wenn man selbst das Kriegsbeil immer in Händen hält.

Nur wenn man im Geist ein friedlicher Mensch ist, und das auch lebt, kann man Kämpfe und Auseinandersetzungen vermeiden.

Dabei darf man weder Schwäche noch Überheblichkeit empfinden. Man muss sein Karatetraining so weit vorantreiben, bis man selbst ein gewisses Vertrauen in sich und sein Können hat. Dabei darf man einen Gegner niemals unterschätzen. Und wenn er dennoch stärker erscheint, ist diese Selbstbehauptung und Selbstbeherrschung eine wichtige große Kunst für sich.

Kämpfe vermeiden nennt man heute "Gewaltprävention". Und diese Abwehrtechniken sollte man immer zuerst anwenden, bevor es ernst wird.

Diese Beherrschung, und diese geistige Überlegenheit Funakoshis, war etwas Besonderes. Man kann Kämpfe vermeiden, die bei unbeherrschten Menschen zur Eskalation führen.

Diese Eigenschaften wurden (und werden) Funakoshi oft als Schwäche angehaftet. Dabei lebte er damals schon etwas, was man heute in der Selbstverteidigung wieder entdeckt.

Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert!

Gichin Funakoshi

In seinem Buch „KarateDo mein Weg“ schreibt der Meister im Kapitel „Erkenntnis des Wahren Karate“, dass Karate eine defensive Kunst ist, und niemals offensiven Zwecken dienen darf. Er dachte dabei daran, dass seine Schüler niemals Karate für etwas Schlechtes nutzen dürfen.

Denke nicht ans Gewinnen. Doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.

Aber heute ist man eher wieder offensiv unterwegs; genau wie damals im Dritten Reich.

Leider findet sich genau das, in der Weltmacht wieder. Genau dieser Weg des Karate-Do das Funakoshi Sensei beschrieb, ist auch in den Machtzentren völlig unbekannt.

Willy Brandt war zum Beispiel ein Politiker, der das noch wusste. Auch vereinzelte heutige Politiker mag es noch geben. Aber wie Hermann Göring schon sagte, als er von einem Psychologen in seiner Zelle befragt wurde,

"Man muss dem Volk nur sagen, es werde angegriffen, und die Pazifisten wegen mangelnden Patriotismus verurteilen und ihnen vorwerfen, sie brächten das Land in Gefahr. Das funktioniert in jedem Land auf dieselbe Weise.“   

Quellenangaben: Gilbert, „Nuremberg Diary“, Tagebucheintrag vom 18. April 1946.

Heutige diesbezügliche Reaktionen die Görings Weisheit angepasst sind: Friedensschwurbler und Lumpenpazifisten.

Das Zitat von Hermann Göring, überliefert durch den Psychologen Gustave Gilbert aus den Nürnberger Tagebüchern, ist erschreckend zeitlos. Es ist im Grunde der Generalplan für jede psychologische Massenmobilisierung: Nimm den Menschen die Angst, lass sie glauben, sie seien in der Defensive und müssten sich verteidigen, und brandmarke jeden, der nachdenkt oder deeskalieren will, als Verräter.

Friedensschwurbler und Lumpenpazifisten. Hermann Göring würde heute die gleichen Schimpfworte für Pazifisten nutzen.

Genau das ist die Antithese zu Gichin Funakoshis Geist und zu dem von Politikern wie Willy Brandt.

Wenn man Görings Mechanismus mit Funakoshis Lehre abgleicht, zeigt sich, warum wahre Friedenspolitik in Machtzentren so selten – und oft so gefährlich für die Politiker selbst – ist:

·         Die Umkehrung von Ursache und Wirkung: Göring beschreibt, wie leicht es ist, eine Offensive als reine Notwehr zu tarnen („Man muss ihnen nur sagen, sie werde angegriffen“). Funakoshis Prinzip („Im Karate gibt es keinen ersten Angriff“) verlangt dagegen die disziplinierte Fähigkeit, genau diesen Mechanismus zu durchschauen. Wer sich von Angst leiten lässt, verfällt in blinden Reflex; wer wahre Stärke besitzt, prüft, wer den Konflikt überhaupt begonnen hat.

·         Der Verrat am Frieden: Wenn Pazifisten oder Mahner als Gefahr dargestellt werden, wird das Beenden eines Kampfes – das, was Funakoshi wollte – zum Verbrechen erklärt. Ein System, das auf Konfrontation aufgebaut ist, braucht keine Menschen, die sagen: „Komm, lass uns aufhören“. Es braucht die Gehorsamen, die das Rad am Laufen halten.

·         Willy Brandts „Politik der kleinen Schritte“: Willy Brandt war jemand, der verstanden hatte, dass man Stärke nicht durch Eskalation beweist, sondern durch den Mut zur Entspannungspolitik und den echten Dialog – oft gegen den heftigen Widerstand derer, die in jeder Deeskalation eine Schwäche sahen.

Görings Zettelkasten der Macht funktioniert deshalb so universell, weil er auf den primitivsten Instinkt des Menschen setzt: den Selbsterhaltungstrieb in der Gruppe. Um diesen Mechanismus zu durchbrechen, braucht es eben jene innere Reife und Schulung des Geistes, die in fernöstlichen Kampfkünsten wie dem Karate-Do eigentlich gelehrt wird – während die großen Staatsbühnen oft das genaue Gegenteil praktizieren.

Jetzt müssen wir nur noch die Täuschung erwähnen. Die Aussage, dass ja der andere zuerst geschlagen hat.

Punkt 1: Die Wahrheit wurde verdreht, indem man nur die eine Seite der Medaille zeigt. Es wurden wichtige Teile der Wahrheit verschwiegen und versteckt.

Punkt 2: Der erste Angriff war notwendig, um sich selbst - oder jemand anderen zu schützen. Aber immer mit dem Gedanken, defensiv zu handeln und den Frieden im Kopf niemals zu verlieren. Nicht der Sieg zählt auch dann, sondern das Beenden des Konfliktes.

Damit sprechen wir zwei entscheidende Ebenen an: die manipulative Darstellung einer Situation (das Verdrehen von Tatsachen) und die ethische Rechtfertigung sowie das eigentliche Ziel von Selbstverteidigung.

Wir wollen jetzt noch diese beiden Punkte klar und strukturiert festhalten:

1. Die Täuschung und das Verdrehen der Wahrheit

·         Einseitige Darstellung: Wenn nur der Moment gezeigt wird, in dem man selbst reagiert hat, wird der Kontext komplett verzerrt. Es ist der klassische Versuch, Täter und Opfer zu vertauschen, indem man die Vorgeschichte verschweigt.

·         Das Verschweigen von Fakten: Das Verstecken wichtiger Teile der Wahrheit ist eine bewusste Manipulation. Wer den Auslöser oder die Bedrohung weglässt, lügt durch Auslassung, um ein falsches Narrativ zu etablieren.

2. Der defensive Charakter und das wahre Ziel

·         Notwendigkeit zum Schutz: Ein erster physischer Schritt oder Gegenangriff kann absolut notwendig sein, um Leib und Leben – das eigene oder das von Schutzbedürftigen – abzusichern.

·         Die innere Haltung (Defensive & Friedenswille): Das entscheidende Merkmal ist hier die Motivation. Es geht niemals darum, Macht zu demonstrieren oder zu dominieren, sondern immer darum, die Kontrolle über eine gefährliche Situation zurückzugewinnen.

·         Konfliktbeendigung statt Sieg: Es geht nicht darum, den anderen zu besiegen oder zu vernichten ("Gewinnen"), sondern den Konflikt so schnell und sicher wie möglich zu beenden, um wieder Frieden und Sicherheit herzustellen.

Auch Gichin Funakoshi musste sich einmal in Tokio am Bahnhof verteidigen. 

 Gichin Funakoshi wurde im hohen Alter tatsächlich Opfer eines Raubüberfalls in Tokio, wehrte diesen jedoch erfolgreich ab. Der Vorfall ereignete sich am späten Abend an der Otsuka-Station (oft im Kontext mit Bahnhöfen in Tokio genannt). [1, 2]

Funakoshi beschreibt diese berühmte Anekdote selbst in seiner Autobiografie „Karate-Dō: Mein Weg“.

Die Bahnhofs-Anekdote: Gichin Funakoshis späte Selbstverteidigung

Ein prominentes Beispiel für die praktische Anwendung der Karate-Philosophie in der Moderne ist ein Vorfall, der sich im Tokio der Nachkriegszeit ereignete: Der damals rund 80-jährige Großmeister Gichin Funakoshi wurde nachts an der Otsuka-Station Opfer eines Raubüberfalls, den er ohne bleibende Schäden abwehren konnte.

Der Vorfall, den Funakoshi selbst in seiner Autobiografie „Karate-Dō: Mein Weg“ schildert, gilt in den Kampfkünsten als Paradebeispiel für die Deeskalation und Verhältnismäßigkeit im Ernstfall.

Der Tathergang am Bahnhof Otsuka

Funakoshi befand sich zu später Stunde auf dem Heimweg von einer Feier, als er im Bereich des Bahnhofs Otsuka von einem jungen, nervösen Kriminellen abgefangen wurde. Der Angreifer versuchte zunächst, den älteren Meister unter dem Vorwand, nach Feuer für eine Zigarette zu fragen, in ein Gespräch zu verwickeln. Da Funakoshi jedoch strikter Nichtraucher war und keine Streichhölzer mit sich führte, verneinte er die Bitte höflich.

Daraufhin änderte der Dieb seine Taktik, wurde aggressiv und forderte das Furoshiki (ein traditionelles Stoffbündel mit persönlichen Gegenständen), das Funakoshi bei sich trug. Als der Meister sich weigerte, entriss der Angreifer ihm seinen Regenschirm und holte aus, um damit auf Funakoshis Kopf einzuschlagen.

Die Abwehr ohne Gewalteskalation

Getreu seinem Lebensmotto „Karate ni sente nashi“ (Im Karate gibt es keinen ersten Angriff) agierte Funakoshi rein defensiv. Im Moment des Schlages tauchte er blitzschnell unter dem Schirm ab, überwand die Distanz zum Angreifer und fixierte diesen mit einem festen Griff an den Hoden. Er hielt den schmerzerfüllten Dieb so lange in dieser Position fest, bis eine herbeigerufene Polizeistreife den Mann festnehmen konnte.

Für den Großmeister war der Vorfall im Nachgang kein Grund zum Stolz, sondern ein Anlass zur Selbstkritik: Er bedauerte, dass seine Aufmerksamkeit (Zanshin) so weit nachgelassen hatte, dass ein Angreifer ihn überhaupt überraschen konnte. Dennoch zeigt die Episode eindrucksvoll, dass Funakoshi selbst im hohen Alter und unter Stress instinktiv die minimalste, effektivste und am wenigsten verletzende Methode wählte, um eine Gefahr zu neutralisieren.


Warum die Geschichte so berühmt ist

Der Vorfall gilt in der Kampfsportwelt als Paradebeispiel für Funakoshis Philosophie. Obwohl er einer der fähigsten Karate-Meister der Geschichte war, nutzte er keinen spektakulären Tritt oder tödlichen Schlag. Er wählte die minimalste, effektivste und am wenigsten verletzende Methode, um die Situation absolut unter Kontrolle zu bringen. Für Funakoshi war es dennoch ein Moment des Nachdenkens: Er fühlte sich hinterher schlecht, weil er dachte, seine Aufmerksamkeit (Zanshin) hätte so nachgelassen, dass er überhaupt erst überrascht werden konnte. [1]

Diese Vergleiche vom „Vater des Shotokan-Karete“ zur heutigen Weltpolitik zeigt die enorme Distanz seiner Weisheit, zur heutigen Politik und den „Helfer-Medien“.

Nun wählen Sie selbst, wer ihnen in diesen Denkweisen näher steht:

Göring oder Funakoshi.


02.11.2026

Rüdiger Janson

EDEN 2610

Der Weg in eine bessere Welt.